Be­geis­te­rungs­stür­me bei Klas­sik an der Donau

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Musikalische Vollbesetzung in der Fraunhofer-Halle: Mitglieder von Kammerchor und Schulchor des Anton-Bruckner-Gymnasiums, Rundfunk Symphonie Orchester Prag. (Foto: Ulli Scharrer

Artikel vom 08. Juli 2012

(rok). "Musik ist eine höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie": welch wahres Wort von Ludwig van Beethoven. Das Musikfestival "Klassik an der Donau", das am Samstag ganz in seinem Zeichen stand, war tatsächlich eine Offenbarung. Das musikalische Ensemble aus Straubinger Chor, Rundfunk-Symphonie Orchester (RSO) Prag und Solist Jan Simon erwies sich als Glücksgriff. Der Zuschauerzupruch von "Klassik 2012" war überdurchschnittlich. Über 1200 Gäste sorgten für ein gesellschaftliches Highlight in Straubing, das die sommerliche Ouvertüre zum 200-jährigen Volksfestjubiläum gibt. Moderate Eintrittspreise sorgten für eine gute Mischung aus Jung und Alt.

Die Gästeliste am Samstagabend in der Joseph-von-Fraunhofer-Halle war ein Who-is-Who der Straubinger Prominenz. Sämtliche Bürgermeister der Stadt gaben sich die Ehre, angeführt von OB Markus Pannermayr mit Gattin Carola. Bezirkstagspräsident Manfred Hölzlein erschien ebenso wie MdL und Alt-Oberbürgermeister Reinhold Perlak, Regierungspräsident Heinz Grunwald sowie MdB Ernst Hinsken. Ihre Gattinnen glänzten mit geschmackvoller Abendgarderobe. Im Namen des Veranstalters von "Klassik an der Donau" - der Zeitungsgruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung - begrüßte Verleger Prof. Dr. Martin Balle die Anwesenden. Das Präludium der Veranstaltung im Eingangsbereich war ab 19 Uhr bereits gut besucht. Die Gäste lauschten den Worten von Stefan Frank, Leiter des Straubinger Kammerchores und Lehrer am Bruckner-Gymnasium. Frank erläuterte, warum die Wahl der Werke 2012 auf Beethoven gefallen war.

Wie gemacht für Straubing
Das 5. Klavierkonzert und die 7. Symphonie gelten jeweils als Geheimtipps des Meisters und ihre Komposition fiel genau in die Zeit der Anfänge des Gäubodenvolksfestes, zwischen 1809 und 1813. Von Anfang an war am Samstag eine besonders festliche Stimmung mit hoher Erwartungshaltung zu spüren. Sie sollte nicht enttäuscht werden. Teil eins des Konzertes war gleichzeitig der Auftritt der talentiertesten Stimmen Straubings unter Leitung des renommierten Organisten Stefan Frank. Der Straubinger Kammerchor, ergänzt durch Mitglieder des Unter- und Oberstufenchors des Anton-Bruckner-Gymnasiums, betrat kurz vor dem Rundfunk Symphonie Orchester Prag die Bühne.

Der Auftritt des Chores im Rahmen der "Fantasie für Klavier, Chor und Orchester C-Moll op. 80" war relativ kurz, aber bombastisch. Beethovens imposante Hymne sorgte mit zunächst sanften, leisen, danach sehr lauten Passagen für Gänsehaut-Atmosphäre beim Publikum. Ebenfalls bemerkenswert: der souveräne Auftritt der hochschwangeren Solistin Edina Bräu (Alt). Stefan Frank bezeichnete die Chorpassagen als "so extrem komponiert, dass man sie gerade noch singen kann." Vielleicht machte sich dabei schon Beethovens fehlendes Gehör bemerkbar.

Vor dem 5. Klavierkonzert verließ der Chor die Bühne. Im Namen der Gesamtorganisation durch Claudia Karl-Fischer, Marketingleiterin der Zeitungsgruppe, wurden Blumen an Solisten und Chorleiter überreicht.

Lebhafter Dirigent
Danach kam der große Auftritt von Pianist und Orchesterdirektor Jan Simon aus Prag. Am Steinway-Flügel entfaltete er seine ganze Klasse. Auffällig, engagiert und lebhaft wie kaum ein andere Dirigent, sorgte Leos Svárovsky für Harmonie zwischen Streichern und Piano. Nach einer kurzen Pause bildete die 7. Symphonie den Höhepunkt und Abschluss von "Klassik an der Donau". Das RSO Prag setzte die Dynamik der Komposition, die Beethovens berühmter 9. Symphonie in nichts nachsteht, perfekt um. Der Applaus zum Ende fiel euphorisch aus. Das Publikum erhob sich und Svárovsky hatte ein Einsehen: "Wolfgang Amadeus Mozart: Mögen Sie das? Die Hochzeit des Figaro." Die berühmten Klänge der Opern-Ouvertüre waren wie der Böllerschuss für das Jubiläumsjahr.

Messlatte hoch für 2013
Das Get-Together nach dem Konzert im Foyer der Fraunhofer-Halle mit Freigetränken und Brotkörben wollte schier kein Ende nehmen. An die 200 Gäste blieben noch bis nach Mitternacht. Orchesterdirektor Jan Simon wirkte bei nicht-alkoholischen Getränken an der Bar restlos zufrieden: "Diesen Augenblick würde ich gerne festhalten. Aber leider geht schon morgen die Reise weiter." Am nächsten Morgen musste er zu einem Smetana-Festival in Tschechien aufbrechen. Ein Traum in der Sommernacht war zuende gegangen. Und eines ist klar: Die Messlatte für "Klassik an der Donau 2013" liegt sehr hoch.