Vir­tuo­ses Far­ben­spiel

Artikel vom 07. Juli 2014

Maximilian Hornung und BR-Sinfoniker brillieren in Straubing

Von Werner Haas

Man ist versucht, über das Konzertereignis ins Schwärmen zu geraten. Im Mittelpunkt stand in der fast komplett gefüllten Straubinger Stadthalle der junge Cellist Maximilian Hornung, Träger des Echo-Klassik-Preises von 2011 und 2012, der im a-Moll-Konzert von Camille Saint-Saens die Gelegenheit hatte, seine Qualitäten ins beste Licht zu rücken.

Dazu kam die menschliche Bindung an das Begleitorchester, seine ehemaligen Kollegen, unter Wolfram Graul. In schwungvollem, mitreißendem Gestus bewegte er sich nach dem überraschenden, extrem knackigen Einstieg in strahlender Virtuosität, generöser Frische und Impulsivität mit warmem bis leicht aggressivem Ton spielerisch über alle technischen Hürden hinweg. Dabei befeuerten sich Solist und Orchester gegenseitig.

Bei geschmeidigen Beschleunigungen oder Beruhigungen musizierte man in aller Farbigkeit, Klarheit und Ausgewogenheit stringent, flüssig und ohne gelegentlich zu erlebende Affektiertheiten. Der menuettartige Teil war in seiner tänzerischen Leichtigkeit und höfischen Eleganz ein Kabinettstück ersten Ranges. Im Orchester mied man es, zu gesetzt, zu gewollt, zu getragen zu wirken.

Bedrich Smetanas bekannte und beliebte „Moldau" aus der Tondichtung „Mein Vaterland" gleich zu Beginn ließ leider Wünsche offen. Vielleicht musste man sich an die Raumakustik gewöhnen. Da mangelte es schon den beiden „Quellwasser"-Flöten an spielerischer Dezenz. Anschließend lenkte Graul die Aufmerksamkeit zu sehr auf Sicherheit, Präzision, die dann bei den gefürchteten Stromschnellen doch nicht voll erreicht wurde. Dieser einzigartige Hymnus des Komponisten auf die Naturschönheiten seiner Heimat lebt von der Pointiertheit der tänzerischen Rhythmen wie von der transparenten Farbigkeit des Orchesterklangs. Da gäbe es noch ein Quäntchen zuzulegen.

Solch kleine Scharten wurden in Antonin Dvoráks herrlicher Achten mehr als ausgeglichen. Man glaubte, das klanglich und musikalisch spu?übar motivierte Orchester sei unter Hochspannung gesetzt. Dabei verhinderten Dramatik und Brillanz keineswegs die Feinfühligkeit im Detail. Die „symphonische Erzählhaltung" des späten Dvorák stellte sich wie von selbst ein. Orchestraler Wohllaut, füllige Sonorität, ausgereizte Klangfarben in allen Sektionen des Klangapparats. Eine Mischung von geradezu fiebriger Emotion und Eleganz im Dreiachtel- Walzer des dritten Satzes. Maximilian Hornung hatte sich kollegial in die Cellogruppe seiner ehemaligen Kollegen eingereiht und dieser, bei Dvorák besonders tragend, noch zusätzlichen Glanz verliehen.