„Mu­sik vol­ler Cha­rak­ter“

Wolf­gang Gie­ron di­ri­giert am 18. Juni bei Klas­sik an der Donau: Beetho­ven im Mit­tel­punkt

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„Der Kontakt zum Publikum ist das Wichtigste überhaupt“, sagt Dirigent Wolfgang Gieron. Über 40 Jahre lang hat er im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Geige gespielt. Foto: BR

Mitglieder der Münchner Philharmoniker und des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks gastieren heuer bei Klassik an der Donau in der Fraunhofer-Halle. Sie werden dirigiert von Wolfgang Gieron, der sich als Orchesterleiter der Klassischen Philharmonie Erding einen Namen gemacht hat. Im Interview sprachen wir mit ihm über das Gastspiel in Straubing.

Herr Gieron, Sie kommen am 18. Juni zum Festival Klassik an der Donau. Welchen Bezug haben Sie zu Straubing?

Wolfgang Gieron: Ich lebe in Erding und habe Straubing schon einmal besucht. Das war vor dem Rathausbrand. Eine sehr schöne Stadt, wie ich finde. Von Klassik an der Donau habe ich natürlich auch schon mal gehört. Ich freue mich sehr, dass ich dort heuer auf der Bühne stehen darf.

Bei dem diesjährigen Programm dreht sich alles um Beethoven. Was bedeutet der Komponist für Sie?

Gieron: Ich mag Beethoven. Er hat die Musikgeschichte geprägt wie nur wenige andere Komponisten, darunter Bach, Mozart, Wagner und Strawinsky. Beethoven war wohl der Extremste von allen und hat die Musik wie kein Zweiter vorangebracht. Spätere Komponisten hatten großen Respekt und sogar Angst vor seiner Größe. Brahms zum Beispiel hat wegen Beethoven Jahre gebraucht, bis er sich an seine erste Sinfonie wagte. Beethovens Fünfte ist ein gutes Beispiel für seinen extremen Charakter: Ein ganzer Satz besteht aus nur drei Notenwerten. Mit seiner Neunten hat er die klassische Form der Sinfonie gesprengt. Er hat wohl immer das Extrem gesucht.

Gerade das Tripelkonzert kommt relativ selten zur Aufführung, warum eigentlich?

Gieron: Das hat oft ganz banale finanzielle Gründe, denn es ist schwierig, drei gleichwertige Solisten zu finden. Außerdem ist es eigentlich ein Cellokonzert, und die anderen beiden Solisten müssen etwas in den Hintergrund treten.

Werden die Solisten von Ihnen ausgewählt?

Gieron: Ich kenne nur Markus Wagner, wir stammen beide aus Augsburg. Es ist auch gar nicht üblich, dass ein Gastdirigent die Solisten auswählt. Die werden einem vom Orchester vorgesetzt, das klappt mal mehr, mal weniger gut. Aber auf die drei Solisten in Straubing freue ich mich richtig.

Das Orchester besteht aus Mitgliedern der Münchner Philharmoniker und des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Wie gut kennen Sie die Musiker?

Gieron: Ich habe selbst 41 Jahre lang im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Geige gespielt, deshalb kenne ich die Musiker sehr gut. Man trifft sich und tauscht sich gerne aus. Bei dem Gastspiel in Straubing werden circa 40 Frauen und Männer auftreten.

Wie gelingt gute Kommunikation zwischen Dirigent und Orchester?

Gieron: Die Musiker sind sehr professionell und bei weitem keine Diven. Das war früher vielleicht mal so. Sie wollen schlichtweg in einem guten Orchester gute Musik machen. Als Dirigent habe ich es also mit hochqualifizierten Kollegen zu tun, da brauche ich nicht als Oberlehrer auftreten. Ich versuche, die Balance zwischen langer Leine und gewisser Kontrolle zu finden. Natürlich muss man als Dirigent ein Konzept haben und es auch durchsetzen. Die Symphoniker des Bayerischen Rundfunks habe ich schon oft dirigiert. Ich freue mich auf die Aufgabe.

Wie ist es Ihnen während der Pandemie ergangen? Sind Sie etwas eingerostet oder machen Sie sich auf zu neuen künstlerischen Höhenflügen?

Gieron: Ein bisschen eingerostet bin ich schon. Das ist wohl allen so ergangen. Aber in ein schwarzes Loch bin ich nicht gefallen, ich bin ja schon im Ruhestand. Für viele freischaffende Musiker war die Zeit allerdings wirklich sehr schlimm und existenzbedrohend. Für die ganze Kulturbranche waren die Coronabestimmungen ein Desaster, der Stellenwert der Kultur muss nun wieder mühselig zurückerobert werden. Wenn wir auf etwas stolz sein können, dann ist es doch unsere Kultur. Sie wurde von der Politik schwer beschädigt, das ist ein Skandal.

Wie wichtig ist Ihnen die Nähe zum Publikum, wie kann man diese herstellen?

Gieron: Der Kontakt zum Publikum ist das Wichtigste überhaupt. Ich habe in meinem Leben 5 000 bis 6 000 Konzerte gegeben und immer geht es darum, eine Verbindung zwischen Orchester, Dirigent und Publikum zu schaffen. Wenn es klappt, dann schaukeln sich die Emotionen hoch und es ist für beide Seiten großartig. Eine Sache des Herzens, die man allerdings nicht erzwingen kann.

Wenn Sie in ein paar Sätzen Werbung für den Konzertabend am 18. Juni machen müssten, was würden Sie sagen?

Gieron: Geboten wird Musik voller Charakter, die das Publikum berührt und zum Nachdenken anregt. Es wird sicher ein wunderbarer Abend.

Interview: Karola Decker


Info

Das Festival Klassik an der Donau findet am Samstag, 18. Juni, 19.30 Uhr, in der Fraunhofer-Halle statt. Um 19 Uhr wird eine Konzerteinführung im Foyer angeboten. Karten sind erhältlich im Leserservice des Straubinger Tagblatts, Ludwigsplatz 32, Telefon 09421/940-6700, oder unter www.okticket.de.